Illustration mit OpenAI erstellt

Anthropic: Ein systemisches Risiko für die Künstliche Intelligenz?

Was, wenn Anthropic für die Künstliche Intelligenz das würde, was FTX für Kryptowährungen war: ein Akteur, der so zentral im Ökosystem verankert ist, dass eine Vertrauenskrise weit über das Unternehmen hinausgehende Erschütterungen auslösen könnte?

💡 Unser Leitfaden – Investieren in KI: Die 10 besten Aktien der Branche (2026)

Genau diese Frage wirft Kevin Bass in einem ausführlichen Thread auf X auf. Der Analyst wirft Anthropic vor, zur Entstehung einer Art „regulatorischer Vereinnahmung“ (regulatory capture) beigetragen zu haben, bei der Investoren, auf KI-Sicherheit spezialisierte Organisationen und künftige Regulierungsinstanzen in zu engen Beziehungen zueinander stünden.

I have conducted an audit of Anthropic's finances.

What I have found is so shocking that I am calling for a Congressional investigation.

Anthropic is not just seeking regulatory capture.

It has built a regulatory capture machine that cannot be turned off.

Structural financial… pic.twitter.com/fyqQeSLsC8

— Kevin Bass (@kevinnbass) September 14, 2026

Er nennt insbesondere Dustin Moskovitz, den Mitbegründer von Facebook und Asana, sowie dessen Stiftung Good Ventures. Letztere finanziert Programme für globale Gesundheit und wissenschaftliche Forschung. Vor allem unterstützt sie Initiativen zur Gewährleistung der Sicherheit von Künstlicher Intelligenz.

Bass behauptet, dass Good Ventures ein erhebliches finanzielles Engagement bei Anthropic hält, dessen Wert mit dem kometenhaften Aufstieg des Labors explodiert sei. Seiner Ansicht nach hätten somit Teile der philanthropischen Netzwerke, die die Forschung zu KI-Risiken finanzieren, ein indirektes Interesse am finanziellen Erfolg des Unternehmens.

Der Analyst fordert nun den US-Kongress auf, diese Beziehungen zu untersuchen. Es muss jedoch festgehalten werden, dass diese Anschuldigungen zum jetzigen Zeitpunkt keinen Beweis für ein koordiniertes System oder einen direkten Interessenkonflikt erbringen.

Revolut

20 € Startguthaben nach Ihrer Anmeldung Erstellung einer virtuellen oder physischen Karte und 0,01 € Umsatz bei RevolutAffiliate-Link – Werbung

Revolut: Der Wert von Krypto-Assets kann schwanken; Sie könnten Ihr Kapital verlieren.

Ist der Anthropic-Prüfer METR wirklich unabhängig?

Die von Kevin Bass entfachte Kontroverse zielt auch auf die Organisationen ab, die für die Bewertung der leistungsstärksten Modelle zuständig sind. Unter ihnen nimmt METR (Model Evaluation and Threat Research) eine zentrale Stellung ein. Die von Beth Barnes, einer ehemaligen Forscherin bei OpenAI, gegründete Organisation hat sich als einer der wichtigsten externen Prüfer für sogenannte „Frontier“-Modelle etabliert.

💡 Mehr dazu – Die besten Krypto-KI-Projekte: Unsere Top 10 für 2026

Anthropic verteidigt den Rückgriff auf solche Auditoren. Dario Amodei plädiert dafür, dass externe Prüfer tiefen Einblick in die Modelle erhalten sollten, um deren Fähigkeiten und gefährliche Verhaltensweisen zu testen. METR arbeitet bereits mit Anthropic, aber auch mit OpenAI, Google und Meta zusammen.

Financements Anthropic

Das von Kevin Bass erstellte Schaubild zum Finanzierungsnetzwerk von Anthropic.

Genau diese Nähe kritisiert Kevin Bass. Er weist darauf hin, dass ein kleiner Kreis von Organisationen, die mit der Bewertung der Labore beauftragt sind, im selben philanthropischen und institutionellen Ökosystem agiert wie die Labore selbst. Er erwähnt unter anderem indirekte Verbindungen zwischen bestimmten Geldgebern der „AI Safety“ (Forschung zu Sicherheit und potenziellen Risiken der KI), Anthropic und METR.

METR erklärt hingegen, keine Finanzmittel von großen KI-Laboren zu erhalten, räumt jedoch ein, für die Durchführung von Bewertungen kostenlos Tokens und technischen Zugang zu deren Modellen zu erhalten.

Dennoch weitet Bass seine Kritik auf dieses gesamte Ökosystem aus, in dem dieselben philanthropischen Netzwerke Organisationen finanzieren, die vor KI-Risiken warnen, während Anthropic gleichzeitig für Sicherheitsregeln und verstärkte externe Audits plädiert.

Der Analyst weist so auf ein Paradoxon hin: Anthropic entwickelt einige der leistungsstärksten Modelle der Welt und setzt sich gleichzeitig für eine Verlangsamung der KI-Entwicklung, strengere Sicherheitsregeln und mehr externe Audits ein. Für Kritiker könnten diese kostspieligen Anforderungen vor allem die Position bereits bestens finanzierter Labore festigen und den Markteintritt neuer Wettbewerber erschweren.

Revolut

20 € Startguthaben nach Ihrer Anmeldung Erstellung einer virtuellen oder physischen Karte und 0,01 € Umsatz bei RevolutAffiliate-Link – Werbung

Revolut: Der Wert von Krypto-Assets kann schwanken; Sie könnten Ihr Kapital verlieren.

Ein „FTX-Moment“ für die Künstliche Intelligenz?

Vor ihrem Zusammenbruch im November 2022 war FTX in der Krypto-Welt unverzichtbar geworden – mit renommierten Investoren, politischen Beziehungen, regulatorischem Einfluss und einer massiven medialen Präsenz. Als sich das Vertrauen auflöste, infizierte die Krise den gesamten Markt.

Anthropic nimmt heute eine ähnlich strategische Position in der KI ein: als Spitzenlabor, Partner der Hyperscaler, enormer Verbraucher von Rechenleistung, Gesprächspartner von Regierungen und maßgeblicher Akteur in der Sicherheitsdebatte.

👉 Zum selben Thema – Blockade von Anthropic-Modellen – Grayscale sieht eine Chance für dezentrale KI

Auch wenn bei Anthropic bisher keine Bilanzfälschungen oder missbräuchliche Verwendung von Kundengeldern vergleichbar mit FTX festgestellt wurden, läge die Gefahr eher in einer systemischen Vertrauenskrise. Ein Governance-Skandal, ein schwerer Vorfall mit Claude oder die Infragestellung der Unabhängigkeit von Audits könnten Anthropic und in der Folge auch jene Unternehmen, deren Bewertung auf dem anhaltenden KI-Boom basiert, empfindlich treffen.

Bei fast 800 Milliarden Dollar an erwarteten KI-Infrastrukturausgaben der großen Tech-Konzerne in diesem Jahr könnten die Märkte abrupt auf eine mögliche Verlangsamung des Sektors reagieren.

Revolut

20 € Startguthaben nach Ihrer Anmeldung Erstellung einer virtuellen oder physischen Karte und 0,01 € Umsatz bei RevolutAffiliate-Link – Werbung

Revolut: Der Wert von Krypto-Assets kann schwanken; Sie könnten Ihr Kapital verlieren.

Quellen: X / @kevinnbass, Business Insider, TRT World