Der BIP-110, auch bekannt als „Reduced Data Temporary Softfork“ (RDTS), hat in der öffentlichen Debatte als umstrittener Versuch für Aufsehen gesorgt, die Ausbreitung von Daten, die als „nicht-finanziell“ eingestuft werden, im Bitcoin-Netzwerk einzudämmen. Die vom pseudonymen Entwickler Dathon Ohm vorangetriebene und von Luke Dashjr unterstützte Initiative zielte darauf ab, Inschriften wie Ordinals, BRC-20-Token und das Runes-Protokoll – von einem Teil der Community als Spam betrachtet – für ein Jahr einzuschränken. Technisch sah das Projekt strenge Begrenzungen für die Größe von Outputs und eingefügten Daten vor, und zwar mittels eines User-Activated Soft Fork (UASF), der die Miner über die Netzwerkknoten unter Druck setzen sollte.
Trotz der ambitionierten Ziele scheint das Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Die Unterstützung seitens der Miner ist mit rund 1 % marginal; nur ein verschwindend geringer Teil der Hash-Leistung zeigt Interesse an diesem Update. Zudem äußerten zentrale Akteure des Ökosystems, darunter einflussreiche Entwickler und Meinungsführer, scharfe Kritik und wiesen auf Designfehler sowie mangelnde Sorgfalt hin. Noch schwerwiegender ist, dass der führende Client Bitcoin Core bereits signalisiert hat, dieses Update nicht zu integrieren. Sollten die Befürworter des Projekts versuchen, das Protokoll gewaltsam durchzusetzen, würden sie sich lediglich auf einer wirtschaftlich nicht lebensfähigen Minderheiten-Chain isolieren.
Über das Scheitern des BIP-110 hinaus bleibt die Überlastung der Blockchain eine reale und hartnäckige technische Herausforderung. Die Debatte dreht sich weniger um die Speicherung historischer Daten, deren Wachstum durch die Blockgröße begrenzt ist, als vielmehr um die explosionsartige Zunahme von UTXO (Unspent Transaction Outputs). Die Anhäufung dieser „staubigen“ Transaktionsausgänge zwingt Nodes dazu, ihren Arbeitsspeicher (RAM) maximal auszulasten, was die Hardwareanforderungen für die Netzwerkvalidierung in die Höhe treibt. Dieses Phänomen stellt eine schleichende Bedrohung für die Dezentralisierung dar, da es langfristig dazu führen könnte, dass der Betrieb von Bitcoin institutionellen Infrastrukturen vorbehalten bleibt – zum Nachteil unabhängiger Nutzer.
Angesichts dieser Herausforderungen setzt die Community nun eher auf technologische Innovation als auf willkürliche Nutzungsbeschränkungen. Projekte wie Utreexo, das eine Komprimierung der gesamten UTXO-Menge anstrebt, oder die Verbesserung von Synchronisationstools wie AssumeUTXO unterstreichen den Willen, die Widerstandsfähigkeit des Protokolls zu erhöhen, ohne dessen fundamentale Neutralität zu untergraben. Indem das Ökosystem auf Software-Engineering setzt, um die Last auf den Nodes zu verringern, zeigt es, dass die durch Spam aufgeworfenen Probleme durch robustere und konsensbasierte Methoden gelöst werden können, anstatt durch Versuche einer Spaltung mittels Soft Fork.