Die Würfel sind gefallen. Bitcoin bewegt sich seit Samstag kaum noch von der Stelle. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels verharrt der Kurs zwischen 77.500 und 77.600 Dollar (ein Wert, der vor dem Lesen unbedingt mit dem aktuellen Kurs abgeglichen werden sollte, da der Kryptomarkt niemals schläft) und liegt weiterhin unter dem Widerstand von 81.700 Dollar, der eine echte Rückkehr des Bullenmarktes bestätigen würde. Doch die Kursstagnation täuscht über die steigende Spannung hinweg. Am Dienstag stimmt der US-Senat über das Ende der Debatte zum CLARITY Act ab – jener Gesetzentwurf, der endlich einen bundesweiten Rahmen für Kryptowährungen schaffen soll. Und dieses Mal hat Donald Trump nachgegeben.
Die wichtigsten Punkte dieses Artikels:
- Bitcoin stagnierte zwischen 77.500 und 77.600 Dollar und konnte die Widerstandszone bei 81.700 Dollar vor entscheidenden Regulierungsschritten und geldpolitischen Beschlüssen nicht durchbrechen.
- Der CLARITY Act mit einer überarbeiteten Ethikklausel steht vor einer Abstimmung im US-Senat, während die Fed über eine mögliche Zinserhöhung entscheiden muss, was für spürbare Anspannung am Kryptomarkt sorgt.
Bitcoin im Warten, die Fed im Hinterhalt
Die Tatenlosigkeit des Kurses kann die allgemeine Nervosität kaum verbergen. Bitcoin pendelt seit dem Wochenende in einem engen Korridor und schafft es nicht, den Schwung wiederaufzunehmen, der ihn am vergangenen Freitag kurzzeitig über 79.800 Dollar getrieben hatte.
Schuld daran ist ein vollgepackter Kalender: Nach der Abstimmung am Dienstag entscheidet die Fed am Mittwoch, dem 16. September, über ihre Leitzinsen – wobei die Terminmärkte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung mittlerweile auf über 85 % schätzen. Zwei Schocks innerhalb von drei Tagen, erst regulatorisch, dann geldpolitisch – da zieht es der Kurs sichtlich vor abzuwarten, bis Klarheit herrscht, bevor er sich für eine Richtung entscheidet.
CLARITY Act: Was sich im finalen Text wirklich geändert hat
Die republikanischen Senatoren haben am Sonntag den endgültigen Text des CLARITY Act mit einer vollständig überarbeiteten Ethikklausel veröffentlicht. Schluss mit der Mehrdeutigkeit bei Interessenkonflikten: Die betroffenen Mandatsträger auf Bundesebene sowie deren Ehepartner müssen ihre als „erheblich“ eingestuften Krypto-Beteiligungen veräußern oder in einen Blind Trust einbringen – ein rechtliches Konstrukt, das verhindert, dass der Eigentümer weiß, was er tatsächlich besitzt. Eine wesentliche Neuerung, über die CryptoBriefing am 13. September berichtete: Die Generalstaatsanwälte der US-Bundesstaaten erhalten eine Kontrollfunktion über diese Bestimmungen. Vor wenigen Wochen hatte das Weiße Haus dieses Zugeständnis noch verweigert. Nun hat es zugestimmt. Ein Blind Trust lässt jedoch weder das Vermögen noch dessen Herkunft verschwinden, sondern überträgt lediglich während der Amtszeit die Verwaltung an einen Dritten.
Bei der Abstimmung am Dienstag um 14:15 Uhr US-Zeit wird nicht das Gesetz selbst verabschiedet. Es handelt sich um einen verfahrensrechtlichen Antrag, der 60 Stimmen erfordert, um zur Debatte im Plenum überzugehen. Die Republikaner verfügen über 53 Sitze. Sie müssen also mindestens sieben Demokraten überzeugen, die Fronten zu wechseln. Sollte das Vorhaben am Dienstag scheitern, ist das Gesetz für 2026 vom Tisch – voraussichtlich bis nach den Midterm-Wahlen im November 2026.
Der Trump-Clan hat viel zu verlieren
Was auf dem Spiel steht, ist für den Präsidenten keineswegs abstrakt. Seine Anfang Juli veröffentlichte Vermögenserklärung bezifferte seine Einnahmen aus dem Kryptobereich im Jahr 2025 allein auf rund 1,4 Milliarden Dollar, getrieben insbesondere durch die Memecoins der Familie und durch World Liberty Financial. Donald Trump hatte bereits im Juli seine grundsätzliche Zustimmung zu einer Antikonfliktklausel gegeben. Am Wochenende ging er noch einen Schritt weiter und segnete eine Version ab, die Staatsanwälten der Bundesstaaten – auf die er keinen Einfluss hat – echte Handhabe verleiht. Eine Entscheidung, die Bände spricht über die Eile der Republikaner, diesen Gesetzentwurf durchzubringen, bevor sich das politische Zeitfenster schließt.
Ob der Senat am Dienstag die Hürde von 60 Stimmen nimmt oder nicht – Bitcoin muss nur zwei Tage später die Entscheidung der Fed verarbeiten, ohne zwischendurch durchatmen zu können. 48 Stunden, um zwei Schocks zu verdauen, für die der Markt gewöhnlich jeweils eine ganze Woche braucht.
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