Die französischen Staatsfinanzen befinden sich in einer kritischen Phase, gekennzeichnet durch ein Haushaltsdefizit von 5,1 % des BIP, was weit über der europäischen Obergrenze von 3 % liegt. Vor diesem Hintergrund extremer Spannungen hat Wirtschaftsminister Roland Lescure kürzlich die Hoffnungen auf eine mögliche Abschaffung der Übergewinnsteuer für Großunternehmen im Haushalt 2027 gedämpft. Ursprünglich als befristete Maßnahme konzipiert, hat sich diese Abgabe zu einer unverzichtbaren Stellschraube für den Staatshaushalt entwickelt und erzielt für das Jahr 2026 einen entscheidenden Ertrag von über 6 Milliarden Euro.
Die verlängerte Beibehaltung dieser Steuer sorgt für erhebliche Spannungen mit der Wirtschaft. Großunternehmen, die bereits bei ihrer letzten Verlängerung einen Vertrauensbruch beklagten, weisen auf die hohe Steuerlast hin, die die nationale Wettbewerbsfähigkeit massiv belastet. Dennoch sieht Bercy kaum Spielraum. Die Regierung steht vor einer gefährlichen Zange: einem schwachen Wirtschaftswachstum, das auf 0,5 % nach unten korrigiert wurde, gepaart mit explodierenden Finanzierungskosten. Die Rendite der 30-jährigen Staatsanleihen erreichte 4,9 %, ein Stand, der seit 2008 nicht mehr verzeichnet wurde und den nationalen Schuldendienst mechanisch verteuert.
Über die reinen Zahlen hinaus unterstreicht diese Haushaltsproblematik die Grenzen eines französischen Politikmodells, das lange daran gewöhnt war, strukturelle Ungleichgewichte durch Steuererhöhungen zu beheben. Roland Lescure hat selbst das Ende dieses Zyklus eingeräumt und betont, dass der systematische Rückgriff auf Steuermaßnahmen keine tragfähige Lösung mehr darstellt. Diese Erkenntnis prallt jedoch auf eine zersplitterte parlamentarische Realität. Angesichts einer fehlenden absoluten Mehrheit in der Nationalversammlung und im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2027 steckt die Regierung in einer Zwickmühle, in der jede steuerliche Entscheidung ein erhebliches politisches Risiko birgt.
Die endgültige Entscheidung für das kommende Haushaltsjahr hängt nun von drei unsicheren Faktoren ab: der Entwicklung der Leitzinsen an den Anleihemärkten, dem tatsächlichen Wachstumspfad und vor allem der parlamentarischen Arithmetik. In einem Wahlkampf erscheint der Verzicht auf Einnahmen in Höhe von 6 Milliarden Euro für die Regierung trotz der Forderungen der Arbeitgeberseite als unwahrscheinlich. Frankreich scheint somit zu einem prekären Gleichgewicht verdammt, bei dem versucht wird, die von Brüssel geforderte Haushaltsdisziplin mit den Zwängen einer tief gespaltenen politischen Landschaft in Einklang zu bringen.