Der Kryptosektor wird von einer massiven juristischen Offensive erschüttert, die von der Insolvenzmasse von Celsius Network eingeleitet wurde: Diese fordert nun 495 Millionen US-Dollar von der Handelsplattform BitMEX. Die beim Insolvenzgericht des südlichen Bezirks von New York eingereichte Klage bezieht sich auf den Verlust von 6 360 Bitcoins während des Börsencrashs im März 2020. Das Verfahren fällt in eine kritische Phase, nur wenige Tage vor der für den 23. September geplanten endgültigen Einstellung des Handelsbetriebs von BitMEX.

Im Zentrum der Klage stehen Vorwürfe wegen Betrugs, Marktmanipulation und missbräuchlicher Liquidationen. Die Kläger behaupten, der Liquidationsmechanismus von BitMEX sei gezielt so konzipiert gewesen, dass er die Plattform zum Nachteil der Nutzer begünstigte – insbesondere durch Interessenkonflikte im Zusammenhang mit dem Versicherungsfonds der Börse. Der Argumentation zufolge habe dieses Instrument es dem Betreiber ermöglicht, vom plötzlichen Preisverfall zu profitieren, indem er die Schließung gehebelter Positionen forcierte, darunter auch jene, die von Celsius und dem JST-Fonds gehalten wurden, deren Ansprüche an den insolventen Kreditgeber abgetreten wurden.

Dieses Vorgehen offenbart jedoch ein Paradoxon hinsichtlich der historischen Strategie von Celsius. Während das Unternehmen gegenüber seinen Kunden stets vermeintlich sichere, sogenannte „delta-neutrale“ Strategien propagierte, zeichnet die Klage ein anderes Bild: eine massive Exposition gegenüber spekulativen Hebelpositionen mitten in der Covid-19-Krise. Durch das offene Eingeständnis, diese Risiken eingegangen zu sein, unterstreicht Celsius die eklatante Diskrepanz zwischen seinem vorsichtigen geschäftlichen Narrativ und den tatsächlichen internen Abläufen – ein Punkt, den die Insolvenzverwalterin bereits in früheren Phasen des Verfahrens hervorgehoben hatte.

Die Einziehung dieser kolossalen Summe stellt das Blockchain Recovery Investment Consortium, das mit der Rückführung der Gelder für die Gläubiger beauftragt ist, vor eine enorme logistische und rechtliche Herausforderung. Die Klage richtet sich gegen fünf verschiedene Einheiten, die über komplexe Jurisdiktionen von den Cayman Islands über die Seychellen bis hin zum Vereinigten Königreich verteilt sind. Während die Zeit bis zur vollständigen Einstellung der Aktivitäten von BitMEX abläuft, bleibt die Erfolgsaussicht der Forderung ungewiss. Es stellt sich die Frage, ob diese 495 Millionen US-Dollar eine echte Rückzahlungschance bieten oder lediglich eine symbolische Geste im Rahmen eines hochkomplexen Liquidationsverfahrens darstellen.