Die Europäische Kommission setzt einen weiteren Meilenstein in ihrem Bestreben, die digitale Wirtschaft zu regulieren, indem sie ChatGPT sowie die Plattformen Reddit und Roblox den strengen Verpflichtungen des Gesetzes über digitale Dienste (DSA) unterstellt. Diese Entscheidung zielt auf Akteure ab, die die kritische Schwelle von 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern innerhalb der Europäischen Union überschreiten. Diese Unternehmen werden nun als systemrelevante Akteure eingestuft, deren Einfluss auf die Bürger und den öffentlichen Diskurs ein höheres Maß an Verantwortung erfordert.
Die Einstufung von ChatGPT als „Suchmaschine“ durch die europäischen Behörden ist besonders bezeichnend. Sie verdeutlicht den Wandel der Nutzergewohnheiten, die zunehmend konversationelle KI-Agenten für den Informationsabruf nutzen, zulasten traditioneller Suchmaschinen. Dieser Umschwung zwingt OpenAI dazu, strenge Anforderungen zu erfüllen, insbesondere bei der Bekämpfung illegaler Inhalte, der algorithmischen Transparenz und dem verstärkten Schutz von Minderjährigen – ein sensibles Thema bei der Bereitstellung der Tools für Jugendliche.
Die Nichteinhaltung dieser neuen Richtlinien kann für die Tech-Giganten schwere finanzielle Sanktionen nach sich ziehen, die bis zu 6 % ihres weltweiten Jahresumsatzes erreichen können. Die betroffenen Unternehmen haben bis Ende Dezember Zeit, ihre technische und betriebliche Konformität nachzuweisen. Während OpenAI bereits Schritte zur Anpassung seiner Dienste eingeleitet hat, wirft die Anwendung von Regeln, die ursprünglich für Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten konzipiert wurden, auf Modelle, die ihre eigenen Inhalte generieren, komplexe Fragen zur rechtlichen Haftung der Anbieter auf.
Diese Regulierung ist Teil eines umfassenderen europäischen Gesetzespakets, zu dem auch der AI Act gehört, der einen ethischen und sicheren Rahmen für künstliche Intelligenz schaffen soll. Die verschärfte Regulierung sorgt jedoch für diplomatische Spannungen; einige Beobachter in den USA kritisieren einen europäischen Ansatz, der gezielt gegen amerikanische Tech-Größen gerichtet sei. Trotz dieser Kritik bekräftigt die Europäische Kommission ihren Standpunkt: Der Rechtsrahmen sei universell und gelte unabhängig von der Herkunft, ähnlich wie bei den Maßnahmen, die bereits gegen Plattformen wie AliExpress ergriffen wurden.