Die Handelsplattform Gemini hat einen wichtigen Etappensieg in den Rechtsstreitigkeiten um ihr Gemini Earn-Programm erzielt. Ein Schiedsrichter hat die Klage eines ehemaligen Nutzers offiziell abgewiesen, der wegen angeblicher Fahrlässigkeit des Unternehmens Schadenersatz für emotionalen Stress gefordert hatte. Diese Entscheidung unterstreicht das Fehlen stichhaltiger Beweise dafür, dass die Börse die betrügerischen Aktivitäten ihres Finanzpartners Genesis Global Capital hätte vorhersehen oder aufdecken können. Dem Schiedsrichter zufolge waren die Machenschaften der Digital Currency Group (der Muttergesellschaft von Genesis) so konzipiert, dass sie selbst die Wachsamkeit von Regulierungsbehörden und Prüfern täuschten, was eine Haftung von Gemini in diesem speziellen Punkt schwer begründbar macht.

Das 2021 gestartete Earn-Programm bot ursprünglich attraktive Renditen von bis zu 7,4 % pro Jahr durch die Verleihung von Kundenvermögenswerten an Institutionen via Genesis. Der Marktzusammenbruch im November 2022 legte diesen Mechanismus abrupt lahm, betraf über 300.000 Nutzer und führte Anfang 2023 zur Insolvenz von Genesis. Dieser Krisenkontext löste eine Welle von Klagen aus, von denen dieser Fall nur einen Bruchteil darstellt. Trotz dieses vereinzelten Erfolgs sieht sich die Plattform mit rund einem Dutzend weiterer laufender Verfahren konfrontiert, was die anhaltende Komplexität der Haftungsfragen im Bereich der dezentralen Finanzwelt verdeutlicht.

Parallel zu diesen individuellen Rechtsstreitigkeiten hat Gemini bei der Rückzahlung von Geldern bedeutende Fortschritte erzielt. Im Mai 2024 begann die Plattform mit der Rückerstattung von 2,18 Milliarden US-Dollar an Kunden – in Form von Token statt in Dollar. Diese Strategie erwies sich für die Nutzer als vorteilhaft, da sie von der allgemeinen Markterholung im Kryptobereich im Vergleich zum Wert der Vermögenswerte zum Zeitpunkt der ursprünglichen Sperrung profitierten, was die Schätzungen von 2022 um etwa eine Milliarde Dollar übertraf.

Diese Rückzahlungsbemühungen beenden jedoch nicht den regulatorischen Druck. Die Generalstaatsanwältin von New York behält eine harte Linie bei und wirft der Plattform vor, ihren Kunden die tatsächlichen Risiken des Programms verschwiegen zu haben. Ein Vergleich in Höhe von 50 Millionen US-Dollar wurde bereits mit den New Yorker Behörden geschlossen, womit gleichzeitig ein Verbot für Gemini einherging, in diesem Bundesstaat Krypto-Leihdienste anzubieten. Auch wenn die jüngste Schiedsgerichtsentscheidung operativ für Entlastung sorgt, lässt sie keine Rückschlüsse auf den Ausgang der anderen offenen Verfahren zu. Sie bestätigt, dass der rechtliche Rahmen der Kryptobranche mehr denn je unter strenger Beobachtung steht.