Die europäische Finanzaufsichtsbehörde ESMA hat kürzlich eine deutliche Warnung vor den Prognosemarkt-Plattformen Polymarket und Kalshi ausgesprochen. Ihren Analysen zufolge bieten diese wichtigen Akteure ereignisbasierte Kontrakte auf europäischem Boden an, ohne über die erforderlichen Lizenzen zu verfügen. Die Behörde kritisiert die Diskrepanz zwischen den Geschäftspraktiken dieser Unternehmen und dem regulatorischen Rahmen der Union. Dabei betont sie, dass die von den Plattformen implementierten Geoblocking-Maßnahmen angesichts der verbreiteten Nutzung von Virtual Private Networks (VPN) weitgehend wirkungslos sind.

Die rechtliche Komplexität rund um diese Instrumente basiert auf einer dreifachen Einstufungsmöglichkeit. Die ESMA geht davon aus, dass diese Kontrakte, die auf einem binären Mechanismus beruhen, als binäre Optionen eingestuft werden könnten, deren Angebot an Privatkunden in Europa seit 2018 verboten ist. Darüber hinaus könnte die Verwendung von Stablecoins und Blockchain-Netzwerken durch Polymarket die Plattform unter die MiCA-Verordnung stellen, während einige Mitgliedstaaten dazu tendieren, sie als illegale Glücksspielangebote einzustufen. Bislang erlaubt keine dieser Auslegungen den Plattformen einen legalen Betrieb innerhalb des Binnenmarktes, da es an einer formellen Zulassung mangelt.

Die Situation steht in starkem Kontrast zum US-Ansatz, wo beide Unternehmen unter der Aufsicht der CFTC stehen. Diese Legitimität jenseits des Atlantiks hat zu spektakulären Bewertungen geführt: Kalshi wird inzwischen mit 22 Milliarden Dollar kapitalisiert, während Polymarket, unterstützt durch den Giganten ICE, auf fast 8 Milliarden Dollar bewertet wird. Dieser finanzielle Erfolg verdeutlicht ein wachsendes Interesse an Wetten auf das Zeitgeschehen, das Europa mangels regulierter lokaler Angebote nur schwer in geordnete Bahnen lenken kann.

Für die europäische Aufsicht steht viel auf dem Spiel: Es gilt, Privatanleger zu schützen und die Abwanderung von Kapital in nicht überwachte Bereiche zu verhindern. Obwohl die ESMA versucht, eine gemeinsame Antwort zu koordinieren, liegt die tatsächliche Sanktionsgewalt weiterhin in den Händen der nationalen Behörden, wie der AMF in Frankreich. In Erwartung eines spezifischen Zulassungsrahmens nach US-Vorbild fragmentiert sich der europäische Markt weiter. Dies treibt Nutzer in undurchsichtige Lösungen und untergräbt so jegliche Form der aufsichtsrechtlichen Kontrolle oder angemessenen Besteuerung.