Das Vereinigte Königreich verfolgt ein klares politisches Ziel: Es will zu einem weltweit führenden Hub für digitale Vermögenswerte aufsteigen. Die Realität im britischen Bankensektor zeichnet jedoch ein völlig anderes Bild. Aktuell verhängen neun der zehn größten Finanzinstitute des Landes drastische Restriktionen, die von strengen Obergrenzen bis hin zur vollständigen Blockade von Überweisungen an Krypto-Börsen reichen. Große Institute wie Chase UK haben diese Transaktionen komplett eingestellt, während andere, darunter NatWest, Santander oder HSBC, für Privatkunden besonders restriktive tägliche und monatliche Limits festlegen.
Diese Zurückhaltung der Banken wurzelt in einem vorsichtigen Management operationeller Risiken, insbesondere im Hinblick auf die Betrugsbekämpfung. Seit Oktober 2024 sind britische Banken gesetzlich verpflichtet, Opfern von autorisiertem Überweisungsbetrug ihr Geld zu erstatten – bei einer finanziellen Haftung von bis zu 85.000 Pfund pro Fall. Um ihr Risiko gegenüber diesen Betrügereien, die häufig über Handelsplattformen für digitale Vermögenswerte abgewickelt werden, zu minimieren, ziehen die Banken lieber systematische Barrieren hoch. Dabei nehmen sie in Kauf, dass geschätzt fast 7 Millionen Kunden auf alternative Lösungen oder weniger restriktive E-Geld-Institute ausweichen.
Die Financial Conduct Authority (FCA) hat jüngst bestätigt, dass sie nicht eingreifen wird, um die Banken zur Lockerung ihrer Politik zu zwingen. Selbst nach dem Inkrafttreten des neuen umfassenden Regulierungsrahmens am 25. Oktober 2027 werden die Bankinstitute ihre Risikobereitschaft weiterhin völlig frei bestimmen können. Die Aufsichtsbehörde geht davon aus, dass die Anwendung strenger Standards für Krypto-Plattformen ausreichen sollte, um Vertrauen zu schaffen, ohne dabei das Recht der Banken zu beschneiden, bestimmte Transaktionen aus geschäftlichen Gründen abzulehnen – selbst wenn diese von zugelassenen Akteuren stammen.
Die Hindernisse sind nicht nur transaktionaler Natur, sie betreffen auch die steuerliche Seite. Obwohl der Zugang zu Bitcoin-basierten ETN (Exchange Traded Notes) für Privatpersonen erlaubt wurde, bleibt deren Integration in steuerlich begünstigte Anlageformen wie ISA in der Praxis nahezu unmöglich. Das Finanzministerium hat diese Möglichkeit auf IFISA beschränkt, ein Anlagevehikel, das bei Brokern extrem selten ist. Diese doppelte Hürde – die Blockade von Kapitaltransfers und der Ausschluss von Steuervorteilen – unterstreicht eine anhaltende Kluft zwischen dem politischen Willen in Westminster, Finanzinnovationen zu fördern, und der konservativen Strenge der großen Bankkonzerne.