Das Wichtigste in Kürze:
- Die Fed wird an diesem Mittwoch voraussichtlich die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 % bis 4 % anheben.
- Die US-Inflation verharrt im August bei 3,4 % gegenüber dem Vorjahr und bleibt damit weit vom 2 %-Ziel entfernt.
- Eine Zinserhöhung würde Kevin Warsh sieben Wochen vor den Midterm-Wahlen in einen direkten Konflikt mit Donald Trump bringen.
Die US-Notenbank steht vor einer Straffung der Geldpolitik. Die Fed dürfte an diesem Mittwoch, dem 16. September, eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte ankündigen, was den Leitzins auf eine Spanne zwischen 3,75 % und 4 % heben würde. Es wäre die erste Zinsanhebung der Fed seit Juli 2023 und die erste unter der Präsidentschaft von Kevin Warsh.
Die Märkte haben sich bereits positioniert. Laut dem FedWatch-Tool der CME preisen die Terminkontrakte eine Wahrscheinlichkeit von nahezu 90 % für diesen Schritt ein – vor der Veröffentlichung der letzten Inflationszahlen lag dieser Wert noch bei etwa 70 %. Einer Reuters-Umfrage zufolge rechnen 86 von 101 befragten Ökonomen mit dem gleichen Ergebnis. Goldman Sachs und Piper Sandler, die bisher von einem Stillstand ausgingen, haben ihre Prognose in der vergangenen Woche angepasst.
Warum wird die Fed die Zinsen anheben?
Die Antwort lässt sich auf eine einzige Zahl reduzieren: Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) ist im August gegenüber dem Vorjahr um 3,4 % gestiegen, genau wie im Juli. Die Inflation geht nicht mehr zurück und bleibt weit entfernt von dem 2 %-Ziel, das die Zentralbank seit nunmehr fast fünf Jahren verfolgt.
Zwei Faktoren treiben diesen Druck an: Erstens die von der Trump-Administration verhängten Zölle. Zweitens der Konflikt mit dem Iran: Der Ölpreis pro Barrel stieg letzte Woche erneut über 100 Dollar, was sich direkt auf die Energiepreise auswirkt.
Der Arbeitsmarkt lässt der Fed noch Spielraum. Die US-Wirtschaft hat im August 162.000 Arbeitsplätze geschaffen – deutlich mehr als von der Wall Street erwartet – und die Arbeitslosenquote liegt bei 4,1 %. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Wirtschaft eine Zinserhöhung verkraften kann, ohne dass der Arbeitsmarkt einbricht.
Der Leitzins liegt seit der Senkung im Dezember 2025 unverändert bei 3,5 % bis 3,75 %. Im Juli hatten bereits drei Mitglieder des FOMC (Federal Open Market Committee, das Gremium, das die Geldpolitik festlegt) gegen das Beibehalten der aktuellen Zinsen gestimmt und eine Straffung gefordert.
Kevin Warsh steht bei Donald Trump unter Beobachtung
Donald Trump hatte Kevin Warsh ernannt, um die Zinsen zu senken. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt steht der neue Fed-Chef kurz davor, genau das Gegenteil zu tun.
Warsh bereitete das Terrain Ende August beim Jackson-Hole-Symposium vor, das von der Fed von Kansas City organisiert wird. Dort bezeichnete er die Inflation als besorgniserregend und warnte, dass die Zentralbank „Arbeit zu erledigen“ (work to do) habe, sollte sich der Preisanstieg nicht rasch verlangsamen. Die Finanzmärkte interpretierten dies als Signal für eine Erhöhung im September.
Zudem muss der Fed-Chef seine Pressekonferenz vom Juli vergessen machen, die von der Financial Times als chaotisch bezeichnet wurde. Eine Zinserhöhung würde ihm ermöglichen, seine Unabhängigkeit gegenüber dem Weißen Haus unter Beweis zu stellen.
Bleibt der politische Kalender. Die Midterm-Wahlen stehen im November an, und die Republikanische Partei versucht, die Wähler die gestiegenen Lebenshaltungskosten vergessen zu lassen. Höhere Kreditkosten für Haushalte und Unternehmen kommen für das Regierungslager zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.
US-Zinsen: 10-jährige Anleihen auf dem höchsten Stand seit 2007
Der Druck kommt auch vom Anleihemarkt. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen überstieg am Montag die 5 %-Marke – ein Niveau, das seit 2007 nicht mehr erreicht wurde. Diese Rendite dient weltweit als Referenz für Kreditkosten. Die 2-jährigen Anleihen, die empfindlicher auf geldpolitische Erwartungen reagieren, erreichten am Dienstag ihren höchsten Stand seit Juli 2024.
Die Anleger sorgen sich zudem über die Staatsverschuldung, die fast 40.000 Milliarden Dollar erreicht. In einer Umfrage der Financial Times zusammen mit der Booth School of Business der University of Chicago rechnen zwei Drittel der 51 befragten Ökonomen damit, dass die Rendite der 10-jährigen Anleihen in einem Jahr zwischen 5 % und 5,5 % liegen wird.
Am Mittwoch holten die Märkte vor der Ankündigung kurz Luft. Die Rendite der 10-jährigen Anleihen fiel auf 4,95 % und die der 2-jährigen auf 4,61 %, während der S&P 500 um 0,4 % und der Nasdaq um 0,8 % zulegten, begünstigt durch den Rückgang der Ölpreise.
Worauf heute Abend zu achten ist
Die Entscheidung wird um 14:00 Uhr Washingtoner Zeit bekannt gegeben (20:00 Uhr in Paris). Kevin Warsh wird dreißig Minuten später eine Pressekonferenz abhalten.
Da die Erhöhung nahezu sicher ist, konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf den Dot Plot. Diese Grafik wird vierteljährlich veröffentlicht und fasst anonym die Zinsprognosen der einzelnen Fed-Entscheidungsträger zusammen. Sollten sie darin eine weitere Anhebung in diesem Jahr und eine weitere im Jahr 2027 signalisieren, könnte der Dollar an Stärke gewinnen. Citi hingegen schätzt, dass Warsh den Schritt lediglich als punktuelle Anpassung darstellen könnte, ohne einen dauerhaften Straffungszyklus einzuleiten. Die Anleger werden den Ton seiner Pressekonferenz genau analysieren.
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