Sieben Monate voller Angriffe, Sanktionen und Versprechen eines baldigen Endes der Krise. Doch unter der Oberfläche wird in den engsten Kreisen des Weißen Hauses eine ganz andere Musik gespielt: Mehrere enge Berater von Donald Trump ziehen im Privaten ein Szenario in Betracht, das weit länger dauern könnte als das, was der Öffentlichkeit verkauft wird.
Die wichtigsten Punkte dieses Artikels:
- Die Berater von Donald Trump haben privat ein Szenario für den Konflikt mit dem Iran in Betracht gezogen, das deutlich länger ist als öffentlich angekündigt.
- Die Kryptomärkte, insbesondere Bitcoin, haben auf geopolitische Spannungen eher basierend auf politischen als auf militärischen Signalen reagiert.
Vance und Rubio angesichts eines sich hinziehenden Szenarios
Laut dem Wall Street Journal haben Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und andere hochrangige Berater die Möglichkeit erörtert, dass Teheran dem Embargo und dem militärischen Druck der USA weit über das hinaus Widerstand leisten könnte, was Trump öffentlich verkündet. Der Präsident selbst wiederholt seit Wochen, dass er ein „sofortiges“ Ende des Konflikts direkt nach den Midterms im November erwartet. Er wirft dem Iran sogar vor, die Wahlen beeinflussen zu wollen, indem er die Verhandlungen in die Länge zieht.
Zwei Narrative, zwei Zeithorizonte. Auf der einen Seite die Wahlkampfkommunikation, die eine schnelle Lösung verspricht. Auf der anderen Seite eine deutlich vorsichtigere strategische Einschätzung, bei der der Widerstand des iranischen Regimes schwerer wiegt als der amerikanische Wahlkalender. Diese Diskrepanz ist sieben Wochen vor den Midterms nicht ohne Bedeutung: Ein Präsident, der Frieden verspricht und eine diplomatische Sackgasse liefert, zahlt an der Wahlurne meist die Rechnung.
Bitcoin, ein präziserer Seismograph als das Weiße Haus
Am 2. September werden die US-Angriffe wieder aufgenommen und der Iran schlägt mit ballistischen Raketen zurück. Bitcoin steckt den Schock weg, verliert 1,5 % im Tagesverlauf und fällt auf 77.157 Dollar zurück. Über 300 Millionen Dollar an Positionen werden innerhalb von vierundzwanzig Stunden liquidiert. Am nächsten Tag die komplette Kehrtwende: Der Kurs steigt wieder über 78.000 Dollar, und einige Marktindikatoren, die Kurse mehrerer Plattformen gleichzeitig aggregieren, platzieren ihn während der Sitzung sogar über 81.000 Dollar, bevor die Volatilität am Nachmittag wieder nachlässt.
Nicht weil der Krieg aufhört. Sondern weil der Mann, der die Macht hat, ihn zu beenden, hinter den Kulissen andeutet, dass er dies will. Die Märkte bewerten nicht die Kämpfe, sie bewerten die Wahrscheinlichkeit einer Lösung. Dieser Mechanismus ist nicht neu. Allein die Ankündigung eines Waffenstillstands hatte Bitcoin bereits früher im Jahr beflügelt, getrieben durch denselben politischen statt militärischen Impuls.
Nur hat die letzte Woche die Karten wieder neu gemischt. Die Kämpfe flammen wieder auf, Rohöl übersteigt 100 Dollar pro Barrel und der Kurs fällt auf 78.370 Dollar zurück, nachdem er am Vortag bei über 79.000 Dollar eröffnet hatte. Am Mittwoch stagniert der Kurs um die 78.800 Dollar, belastet durch dieselben Inflationssorgen, die den Markt seit Monatsbeginn drücken.
Erdöl, CPI, Fed: Die wahre Frontlinie für die Kryptomärkte
Das Barrel Brent-Öl liegt seit der Wiederaufnahme der Kämpfe Anfang September über 100 Dollar, und dieser Druck spiegelt sich direkt in den US-Inflationszahlen wider. Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) für August wird an diesem Freitag, den 11. September, veröffentlicht. Eine hohe Zahl schließt das Fenster für eine entgegenkommende Fed. Eine moderatere Zahl lässt es einen Spalt offen.
Die Federal Reserve tagt am 15. und 16. September, wobei ein Teil des Marktes eine Zinserhöhung bereits für nicht unwahrscheinlich hält. Hinzu kommen die Midterms im November, bei denen ein Präsident, der in einem Konflikt feststeckt, den er zu beenden versprach, ein schlechtes Bild abgeben würde. Damit wird der politische Kalender genauso entscheidend wie jeder On-Chain-Indikator.
Niemand beim Journal du Coin holt die Kristallkugel hervor. Die 18 Toten auf US-Seite und der Benzinpreis von 4,22 Dollar pro Gallone an der Zapfsäule lasten ebenso schwer auf den Wahlurnen im November wie auf dem Bitcoin-Preis. Doch solange sich die Kluft zwischen Trumps öffentlichem Diskurs und der privaten Einschätzung seiner eigenen Berater nicht schließt, hat der Markt allen Grund, nervös zu bleiben.
Die Diskrepanz zwischen öffentlichem Versprechen und privater Einschätzung ist in Washington nicht neu, und das Thema Krypto bildet da keine Ausnahme. Ende August hat das US-Finanzministerium bereits einen Gang hochgeschaltet mit fünf neuen Sanktionen, die iranische digitale Vermögenswerte ins Visier nehmen. Dabei wurde zum ersten Mal der gesamte Sektor und nicht mehr nur einzelne Plattformen anvisiert. Wenn die Einschätzung von Vance und Rubio zutrifft, ist dies erst der Anfang solcher Ankündigungen.
Die Nachrichten, die zählen, zusammengefasst in 2 Minuten. Von Montag bis Freitag direkt in Ihrem Postfach.