Die Eurozone sieht sich einem erneuten Inflationsdruck gegenüber: Der Verbraucherpreisindex erreichte im August 3,3 %, nach 2,9 % im Vormonat. Diese Beschleunigung ist maßgeblich auf die explodierenden Energiekosten zurückzuführen, deren Anstieg sich binnen eines Monats von 10,3 % auf 14,3 % beschleunigt hat. Damit liegt die Teuerungsrate den sechsten Monat in Folge über dem Zielwert von 2 %, den die Europäische Zentralbank (EZB) vorgibt – ein Beleg für den anhaltenden Druck auf die Kaufkraft der europäischen Haushalte.

Der Haupttreiber dieser Entwicklung sind globale geopolitische Verwerfungen, insbesondere die anhaltenden Spannungen rund um die Straße von Hormus. Diese Instabilitäten haben seit Anfang August zu einem Anstieg der Ölpreise um mehr als 15 % geführt, was sich zunehmend auch auf die Gas- und Strompreise auswirkt. Dieser exogene Schock, auf den die Geldpolitik nur begrenzten direkten Einfluss hat, schürt Sorgen vor einem Dominoeffekt auf die Gesamtwirtschaft – und das in einer Phase, in der die internationalen Anleihemärkte historisch hohe Renditen verzeichnen.

Vor diesem Hintergrund bereitet sich die EZB darauf vor, ihre Geldpolitik zu straffen und die Leitzinsen bereits in der kommenden Woche um einen Viertelprozentpunkt auf 2,5 % anzuheben. Mit diesem Schritt soll die Inflationserwartung verankert und verhindert werden, dass der Energiepreisschub dauerhaft auf Löhne und den Dienstleistungssektor übergreift. Auch wenn die Kerninflation – exklusive Energie und Lebensmittel – mit einem Rückgang auf 2,4 % erste Anzeichen einer Entspannung zeigt, bleiben Experten angesichts der Volatilität an den Energiemärkten, die die wirtschaftlichen Aussichten der Eurozone weiterhin eintrübt, vorsichtig.

Das Dilemma der Zentralbanken ist offenkundig: Wie lässt sich eine importierte Inflation bekämpfen, ohne das ohnehin fragile europäische Wachstum abzuwürgen? Während auch die Federal Reserve und die Bank of Japan in den kommenden Tagen über ihre geldpolitischen Weichenstellungen beraten, zeichnet sich in Frankfurt ein Konsens für ein entschlossenes Handeln ab. Der Markt beziffert die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im Dezember mittlerweile auf 50 %. Dies unterstreicht die Entschlossenheit der EZB, im Kampf gegen langfristige Preisrisiken keinerlei Nachsicht walten zu lassen.