Apple hat mit der Einführung des iPhone Duo, seinem ersten faltbaren Smartphone, einen strategischen Wendepunkt erreicht. Das Gerät wurde auf der ersten öffentlichen Konferenz von John Ternus als Konzernchef offiziell vorgestellt. Das High-End-Modell besticht durch ein 7,6-Zoll-Innen-Display, das im Vergleich zum Pro-Max-Modell eine um 50 % größere Anzeigefläche bietet, dabei aber bemerkenswert dünn bleibt. Mit einem Einstiegspreis von 2.339 Euro, der in der 2-TB-Version auf 3.839 Euro ansteigt, avanciert das Gerät zum teuersten Smartphone, das das Unternehmen je angeboten hat. Dies markiert einen signifikanten Preissprung, zumal gleichzeitig die Preise für das gesamte iPhone 18-Sortiment um jeweils 150 Euro erhöht wurden.

Abgesehen von der technischen Meisterleistung wird der Start von einem technologischen Graben überschattet: Siri AI wird auf iPhones innerhalb der Europäischen Union nicht verfügbar sein. Diese Einschränkung beraubt europäische Nutzer zentraler Funktionen wie der visuellen Intelligenz, automatisierter Schreibwerkzeuge und der konversationellen Zusammenfassung von Dialogen. Während Apple zur Begründung auf die Vorgaben des Gesetzes über digitale Märkte (DMA) verweist, weist die Europäische Kommission diese Argumente zurück und betont, dass der Hersteller keine konformen Vorschläge zur Interoperabilität vorgelegt habe. Lediglich Macs und Vision Pro Headsets sind von dieser Blockade ausgenommen, was iPhone-Besitzer in der Ungewissheit über künftige Updates zurücklässt.

Die Preisgestaltung des neuen Portfolios spiegelt die anhaltenden Spannungen auf dem globalen Komponentenmarkt wider, insbesondere den durch den Ausbau von Rechenzentrumsinfrastrukturen verschärften Mangel an Speicherchips. Obwohl die Preiserhöhungen real sind, sehen Analysten darin eine Strategie zur Sicherung von Marktanteilen angesichts einer für 2026 prognostizierten branchenweiten Marktabkühlung. Die komplexe Fertigung des Duo, bei der fortschrittliche Materialien wie Titan und ein maßgeschneidertes Polymer zum Einsatz kommen, begrenzt zudem die anfänglichen Produktionsmengen, die für das erste Jahr auf lediglich 10 Millionen Einheiten geschätzt werden.

Für den Technologieriesen aus Cupertino steht viel auf dem Spiel, da das iPhone etwa die Hälfte seines Jahresumsatzes ausmacht. Vor dem Hintergrund eines schwächelnden Marktes versucht das Unternehmen, durch radikale Hardware-Innovationen ein zweistelliges Wachstum aufrechtzuerhalten. Für europäische Verbraucher gleicht der Kauf des Duo jedoch einer schwierigen Abwägung: Man investiert in Spitzentechnologie, muss dabei aber auf das Herzstück der versprochenen Software-Erfahrung verzichten. Diese Situation unterstreicht die zunehmende Komplexität in den Beziehungen zwischen großen Technologiekonzernen und Regulierungsbehörden – oft zum Nachteil der endgültigen Nutzererfahrung.