In seiner viel beachteten Auftaktrede auf dem Notenbank-Symposium in Jackson Hole zeigte sich der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh ausgesprochen entschlossen und dämpfte damit die Hoffnungen auf eine baldige geldpolitische Lockerung. Unter dem Titel „In Our Time“ betonte er, dass die Bekämpfung der Teuerung oberste Priorität bleibe, und bekräftigte das strikte Ziel von 2 % Inflation. Da das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, der PCE-Index, im Jahresvergleich weiterhin bei rund 3,7 % liegt, sieht die Notenbank die Finanzbedingungen noch nicht als ausreichend restriktiv an. Dies lässt die Tür für länger anhaltend hohe Zinsen oder gar weitere Anhebungen offen.
Dieser restriktive Kurs löste umgehend Abwärtsdruck an den Kryptomärkten aus. Der Kurs von Bitcoin, der vor der Rede nach einem Wochenhoch bei 81.000 US-Dollar noch oberhalb von 80.000 US-Dollar notierte, fiel abrupt unter die Marke von 79.000 US-Dollar. Trotz dieses Tagesrückgangs von 1,5 % verzeichnet die führende Kryptowährung auf 30-Tage-Sicht weiterhin ein solides Plus von über 23 %. Zeitgleich legte der US-Dollar deutlich zu und trieb den DXY-Index auf 99,51 Punkte, während Händler ihre Erwartungen anpassten und auf 56 % die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September bezifferten.
Die Schockwelle war auch bei den traditionellen sicheren Häfen zu spüren. Das Gold gab um mehr als 1 % nach und fiel kurzzeitig unter die Marke von 4.560 US-Dollar pro Unze, belastet durch die fehlende Verzinsung gegenüber einem erstarkten Greenback und anhaltend hohen Anleiherenditen. Wall Street zeigte sich hingegen erstaunlich widerstandsfähig. Nach einem anfänglichen leichten Einbruch, der vor allem von den Technologiewerten des Nasdaq getrieben wurde, erholten sich die US-Aktienindizes im weiteren Handelsverlauf – ein Zeichen dafür, dass Anleger die Rede nicht als unmittelbare Bedrohung für das Wirtschaftswachstum des Landes betrachten.
Auf längere Sicht stellt diese geldpolitische Strenge die Fundamentaldaten der Aufwärtsdynamik im Kryptosektor nicht zwangsläufig infrage. Zwar stellt der Rückgang der globalen Liquidität kurzfristig einen Gegenwind für Risikoanlagen dar, der jüngste Höhenflug von Bitcoin stützte sich jedoch stärker auf Sorgen bezüglich der US-Staatsverschuldung und die Ausweitung von Anleihekäufen durch das Finanzministerium. Dieses Narrativ des Schutzes vor Geldentwertung behält seine volle Relevanz. Die Finanzmarktakteure blicken nun gespannt auf die Ergebnisse der nächsten Notenbanksitzung am 15. und 16. September, die entscheidende Aufschlüsse über den weiteren Kurs der Fed liefern wird.