Die südkoreanische Finanzverwaltung, der National Tax Service (NTS), hat eine strenge Rechtsprechung für digitale Vermögenswerte auf insolventen ausländischen Handelsplattformen eingeführt. Entgegen der Hoffnung vieler Anleger entbindet die Einstellung des Geschäftsbetriebs einer Krypto-Börse die Steuerpflichtigen nicht von ihren Deklarationspflichten. Künftig muss jeder in Südkorea ansässige Nutzer Konten auf in Liquidation befindlichen Plattformen offenlegen – unabhängig davon, ob die Gelder eingefroren, unzugänglich oder in komplexen Gerichtsverfahren gebunden sind.
Diese Entscheidung folgt auf die Prüfung eines konkreten Falls, in dem die Kryptowährungen eines Anwohners seit mehreren Jahren auf einer ausländischen Plattform blockiert waren. Das Finanzamt stellte klar: Die Steuerpflicht ist an die administrative Existenz des Kontos geknüpft und nicht an die tatsächliche Verfügbarkeit der Mittel für den Kontoinhaber. Diese Auslegung stützt sich auf das Gesetz zur Anpassung internationaler Steuern, welches eine Deklaration vorschreibt, sobald der kumulierte Saldo ausländischer Konten an einem beliebigen Tag des Steuerjahres den kritischen Schwellenwert von 500 Millionen Won — umgerechnet etwa 325 000 Euro — überschreitet.
Die Tragweite dieser Maßnahme ist angesichts des Volumens der von den Behörden überwachten digitalen Vermögenswerte beträchtlich. Für das laufende Jahr wurden Krypto-Vermögenswerte im Wert von nicht weniger als 10,5 Billionen Won gemeldet, ein Anstieg, der vor allem auf Privatpersonen zurückzuführen ist, deren Deklarationen um 5,4 % zunahmen. Dieser Vorstoß zu vollständiger Transparenz fügt sich in eine umfassendere Strategie Seouls ein: Seit Anfang 2026 forciert die Regierung Initiativen zur verstärkten Überwachung der Krypto-Szene, einschließlich des Ausschlusses nicht zertifizierter ausländischer Plattformen und einer strengeren Regulierung grenzüberschreitender Kapitalströme.
Über den rein administrativen Aspekt hinaus markiert diese Entscheidung einen weiteren Schritt in der Verschärfung der südkoreanischen Regulierung. Während viele Nutzer von kollabierten Plattformen wie FTX noch immer auf die teilweise Rückzahlung ihrer Forderungen warten, legt das Finanzamt eine Strenge an den Tag, die an ein finanzielles Paradoxon grenzt. Mit diesem Druck sendet Südkorea eine klare Botschaft an die Investoren: Die Insolvenz eines Intermediärs stellt keinesfalls eine steuerliche Grauzone dar. Der Staat behält sämtliche digitalen Vermögenswerte im Blick, ungeachtet der Lebensfähigkeit der Strukturen, die sie verwalten.