Das Bitcoin-Netzwerk durchlebt turbulente Zeiten im Vorfeld des BIP-110, einem Vorschlag für ein Update, das darauf abzielt, die Speicherung nicht-monetärer Daten auf der Blockchain einzuschränken. Dieses Projekt eines temporären Soft Forks, das theoretisch um den 7. August in Kraft treten soll, verschärft die Spannungen zwischen Befürwortern einer „Bereinigung“ des Netzwerks und jenen, die eine Beeinträchtigung seiner fundamentalen Natur befürchten. Während die Initiatoren das unterbinden wollen, was sie als „Spam“ bezeichnen — in Anspielung auf Ordinals und beliebige Daten, die den Blockplatz belegen —, wirft dieser Vorstoß existenzielle Fragen zur Governance des Protokolls auf.
Michael Saylor, eine prominente Figur des Ökosystems, hat eine klare Haltung eingenommen und ein detailliertes Plädoyer mit 110 Argumenten gegen dieses Update veröffentlicht. Seiner Ansicht nach ist das angestrebte Heilmittel deutlich gefährlicher als das aktuelle technische Ärgernis. Der Unternehmer betont, dass Bitcoin kein Instrument moralischer Zensur werden darf; er argumentiert, dass das Protokoll per Definition nicht in der Lage ist, zwischen der Absicht hinter einer Byte-Folge zu unterscheiden. Für Saylor käme die Einführung einer solchen Regel der Schaffung von „Reinheitswächtern“ gleich, zum Nachteil der unveränderlichen Neutralität, die die Stärke des Netzwerks ausmacht.
Die Kritik am BIP-110 richtet sich insbesondere gegen die als zu aggressiv empfundene Aktivierungsmethodik. Mit einem auf 55 % gesenkten Konsens-Schwellenwert und dem Fehlen klassischer Sicherheitsvorkehrungen wird die Gefahr eines gefährlichen politischen Präzedenzfalls hervorgehoben. Zudem befürchten einige Experten, dass eine solche Einschränkung künftige technologische Innovationen unbeabsichtigt behindern könnte. Umgekehrt vertreten Befürworter des Updates, darunter einflussreiche Entwickler wie Luke Dashjr, die Auffassung, dass der Status quo eine Illusion sei und die weitere Ausbreitung dieser „nicht-monetären“ Nutzungen bereits einer nicht konsensualen Veränderung des Protokolls gleichkomme.
In der Praxis bleibt die Zustimmung zum BIP-110 innerhalb der Mining-Community bislang äußerst gering, da weniger als 1 % der Blöcke ihre Unterstützung signalisieren. Dieser technische Bruch könnte jedoch zu einer beispiellosen Blockadesituation führen: Die Initiatoren des Projekts ziehen in Betracht, ihre Validierungsregeln Anfang September einseitig durchzusetzen. Ein solches Szenario würde die Drohung eines Hard Forks heraufbeschwören, bei dem Knoten, die das BIP-110 übernommen haben, Blöcke mit als unerwünscht eingestuften Transaktionen ablehnen würden, was das Risiko einer irreversiblen Spaltung der Blockchain bergen könnte.