Die französische Wirtschaft steckt in einer Phase erheblicher Turbulenzen und schrammt nur knapp an einer technischen Rezession vorbei. Im zweiten Quartal blieb das Bruttoinlandsprodukt (BIP) absolut stagnierend, nachdem es in den ersten drei Monaten des Jahres bereits um 0,2 % geschrumpft war. Die offiziellen Prognosen wurden deutlich nach unten korrigiert, womit das annualisierte Wachstum bei nur 0,3 % liegt – weniger als die Hälfte des ursprünglich angestrebten Regierungsziels von 0,7 %. Um dieses nun unrealistische Ziel noch zu erreichen, müsste die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone in den beiden verbleibenden Quartalen jeweils einen kräftigen Anstieg von 0,5 % verzeichnen, ein Szenario, das im aktuellen Marktumfeld als äußerst unwahrscheinlich gilt.
Diese Konjunkturschwäche belastet direkt die Privathaushalte, deren Kaufkraft pro Verbrauchseinheit im zweiten Quartal um 0,6 % zurückging, was einem Minus von 0,7 % innerhalb eines Jahres entspricht. Um ihr Konsumniveau angesichts einer wieder auf 2,4 % im August gestiegenen Inflation – getrieben vor allem durch Energiepreise – zu halten, mussten die Haushalte auf ihre Ersparnisse zurückgreifen. Infolgedessen sank die Sparquote von 17,9 % auf 17,2 %. Auch bei den Unternehmen sind die Investitionen erneut um 0,3 % gesunken, was die allgemeine Zurückhaltung der Wirtschaftsakteure unterstreicht und den Aufschwung bremst.
Das alarmierendste Signal kommt jedoch von den Anleihemärkten, wo die Renditen für Staatsanleihen einen beispiellosen Anstieg verzeichnen. Die Rendite der 10-jährigen OAT stieg auf über 4,1 % und erreichte damit den höchsten Stand seit 2008, während sich der Spread gegenüber dem deutschen Bund auf 90 Basispunkte ausweitete. Mit einer Staatsverschuldung von 117,5 % des BIP und einem Haushaltsdefizit von 5,1 % verteuern sich die Kosten für die französische Staatsverschuldung automatisch. Diese Entwicklung verschlechtert die Wahrnehmung des französischen Länderrisikos und erhöht den Druck durch Ratingagenturen.
Diese konjunkturelle Eintrübung erfolgt in einem politisch äußerst angespannten Klima, das durch ein fragmentiertes Parlament und die bevorstehende Präsidentschaftswahl 2027 geprägt ist. Das Fehlen einer konsensfähigen Haushaltsstrategie sorgt für erhebliche Unsicherheiten bei der Verabschiedung künftiger Budgets. Sollte es zu einer institutionellen Blockade kommen, die eine Notverlängerung des Haushalts erzwingt, könnte das öffentliche Defizit um weitere 0,5 Prozentpunkte des BIP ansteigen. Die Regierung steht damit vor einem komplexen Dilemma: Sie muss dringend ihre finanzielle Glaubwürdigkeit bei internationalen Investoren wiederherstellen, ohne dabei die ohnehin schon stagnierende Wirtschaft vollends abzuwürgen.