Die US-Bankenaufsichtsbehörde OCC hat einen bedeutenden Schritt vollzogen und zwei großen Fintech-Akteuren, Revolut und OpenReserve, eine vorläufige bedingte Genehmigung erteilt. Diese Entscheidungen ebnen den Weg für die Gründung nationaler Banken in den USA, die speziell darauf ausgelegt sind, digitale Vermögenswerte und Stablecoins in den Mittelpunkt ihres Geschäftsmodells zu stellen. Für Revolut zielt dieser Vorstoß darauf ab, Kosten zu optimieren und die betriebliche Effizienz zu steigern, indem das Unternehmen seine Abhängigkeit von Partnerinstituten verringert und gleichzeitig eigene Krypto-Verwahrungsdienste sowie markeneigene Stablecoins anbietet. OpenReserve, ein von dem ehemaligen MoneyLion-Chef mit Unterstützung des Fonds Andreessen Horowitz geleitetes Projekt, strebt den Aufbau einer nativ auf der Blockchain verankerten Bankinfrastruktur an, die auf tokenisierten Einlagen basiert.
Über die technologische Dimension hinaus unterstreichen diese Projekte eine strategische Unterscheidung: Während Stablecoins häufig außerhalb des strengen Bankreserven-Rahmens emittiert werden, stellen tokenisierte Einlagen eine direkte Forderung gegenüber der Bank dar und genießen den Schutz des traditionellen Bankensystems. Revolut plant zudem einen vorsichtigen Ansatz, bei dem die Emission digitaler Vermögenswerte an zugelassene Dritte delegiert wird – ein Modell, das das Unternehmen in Europa bereits eingeführt hat. Der Geschäftsplan von OpenReserve sieht hingegen die Integration klassischer Finanzdienstleistungen mit digitalen Vermögenswerten vor, wobei das Unternehmen beabsichtigt, in Kürze eine Tochtergesellschaft speziell für die Emission von US-Dollar-gedeckten Stablecoins zu gründen.
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass dies noch kein endgültiges grünes Licht ist. Diese Genehmigungen sind an strenge Auflagen geknüpft, die beide Unternehmen erfüllen müssen, bevor sie ihre Geschäftstätigkeit vollständig aufnehmen können. Die Aufsichtsbehörde verlangt solide Garantien in den Bereichen Eigenkapital, interne Governance, Compliance und Risikokontrollsysteme. Der Zeitplan wird zudem durch das makroökonomische Umfeld beeinflusst, insbesondere durch die Zinsentscheidungen der Federal Reserve, von denen die Erträge aus den Stablecoin-Reserven direkt abhängen.
Diese Entwicklung fügt sich in eine umfassendere Dynamik ein, bei der die Grenzen zwischen traditionellem Finanzwesen und dem Krypto-Ökosystem zunehmend verschwimmen. Während digitale Vorreiter Banklizenzen anstreben, um ihre Legitimität zu festigen, investieren führende Finanzinstitute wie Citigroup, Bank of America oder Goldman Sachs massiv in die Verwahrung digitaler Assets und die Entwicklung gemeinsamer Stablecoins. Die bevorstehende Umsetzung des GENIUS Act, die für Anfang 2027 geplant ist, zeigt, dass sich der US-Regulierungsrahmen anpasst, um diesen strukturellen Wandel des Finanzsystems zu begleiten. Dies markiert eine entscheidende Phase für die institutionelle Einführung digitaler Vermögenswerte in den USA.