Der Indexanbieter MSCI gerät zunehmend in die Kritik, nachdem er einen Vorschlag zur Anpassung der Zulassungskriterien für seine Weltindizes zur Konsultation gestellt hat. Das Projekt sieht vor, Unternehmen auszuschließen, deren operative Vermögenswerte weniger als 50 % ihrer Bilanzsumme ausmachen, indem ihnen drastische Finanztests auferlegt werden. Für Strategy, einen Vorreiter bei der institutionellen Adoption von Bitcoin, ist dieses Manöver nichts weniger als der verdeckte Versuch, Unternehmen mit Krypto-Reserven aus dem traditionellen Finanzsektor zu verbannen.
Die Geschäftsführung von Strategy reagierte scharf und bezeichnete die Initiative als willkürlich und diskriminierend. Dem Unternehmen zufolge entbehren die von MSCI verwendeten Konzepte für operative und nicht-operative Vermögenswerte jeglicher rechtlicher und buchhalterischer Grundlage – sowohl nach US-amerikanischen als auch nach internationalen Standards. Darüber hinaus weist die Firma auf eine eklatante Inkonsistenz bei der Behandlung ihrer Bitcoin-Bestände hin: Während MSCI diese als unproduktive Vermögenswerte einstuft, hat die SEC die Bilanzierung dieser Werte als wesentlichen Bestandteil des Kerngeschäfts des Unternehmens bestätigt und deren Wertschwankungen in die Betriebskosten integriert.
Über den spezifischen Fall von Strategy hinaus ist dies ein systemisches Problem. Ein Ausschluss aus den Weltindizes würde zwangsläufig dazu führen, dass passive Indexfonds die Titel zwangsverkaufen müssten. Dies würde erstklassige institutionelle Investoren wie den norwegischen Staatsfonds treffen, deren Bitcoin-Engagement maßgeblich auf diesen Instrumenten basiert. Die Firma prangert eine besorgniserregende Selektivität an und betont, dass dieser neue Filter seltsamerweise andere kapitalintensive Sektoren wie Immobilien oder Infrastruktur verschonen würde und somit gezielt das digitale Ökosystem ins Visier nimmt.
Während die öffentliche Konsultation am 30. September endet, wächst der Druck auf MSCI, den Entwurf vor der für den 16. Oktober geplanten endgültigen Entscheidung zu überarbeiten. Strategy fordert – sollte der Vorschlag nicht vollständig zurückgezogen werden – zumindest eine Anpassung der Kriterien an objektive und transparente Rechnungslegungsstandards. Diese Entwicklung verdeutlicht eine grundlegende Debatte im Finanzsektor: Es muss definiert werden, ob ein Unternehmen, dessen Strategie auf dem Halten digitaler Vermögenswerte basiert, eine produktive Einheit oder eine reine Finanzstruktur darstellt – ein Urteil, das die Zusammensetzung der globalen Referenzindizes nachhaltig verändern könnte.