Eine Welle raffinierter Cyberangriffe hat kürzlich Nutzer mehrerer bedeutender Akteure im Bereich digitaler Vermögenswerte ins Visier genommen, darunter Trezor, BitBox und CoinTracking. Am 9. September 2026 wurden die E-Mail-Dienste dieser Unternehmen von Hackern gekapert, denen es gelungen war, in die Systeme ihres gemeinsamen Dienstleisters Brevo (ehemals Sendinblue) einzudringen. Durch die Nutzung der legitimen Zugriffsrechte der Plattform konnten die Angreifer betrügerische Warnmeldungen verbreiten, die aufgrund ihrer offiziellen Herkunft gängige Sicherheitsprotokolle wie SPF, DKIM und DMARC erfolgreich umgingen.

Die Vorgehensweise basierte auf einer fingierten Warnung vor einer angeblichen kritischen Sicherheitslücke in STM32-Chips, von der angeblich Hardware-Wallets betroffen sein sollten. Im Fall von Trezor forderte die E-Mail die Empfänger dazu auf, einen schädlichen Link anzuklicken, um ihre Bestände über eine Drittanbieter-Anwendung zu „sichern“. Nach der Installation versuchte diese Anwendung, die Wiederherstellungsphrase abzugreifen, was den Angreifern vollen Zugriff auf die Gelder der Opfer verschaffte. Auch wenn die technische Täuschung für versierte Nutzer plump wirken mochte, führte die Vertrauenswürdigkeit des Absenders dazu, dass etwa 2.500 Personen von insgesamt 347.000 Empfängern den gefährlichen Link anklickten.

Das Ausmaß der Sicherheitsverletzung bei Brevo ist beträchtlich: Der Dienstleister räumte ein, dass etwa 138 Kundenkonten kompromittiert wurden. Davon wurden sechs direkt für Phishing-Kampagnen missbraucht, bei 43 weiteren wurden die Kontaktdatenbanken exportiert. Neben Trezor reagierten auch BitBox und CoinTracking umgehend, um ihre jeweiligen Communities zu warnen. Die schnelle Reaktion der Plattformen trug dazu bei, den Schaden zu begrenzen; so gelang es Trezor beispielsweise, die betrügerische Domain innerhalb von nur zwanzig Minuten unschädlich zu machen – ein Beispiel für den Wettlauf gegen die Zeit, den Krypto-Akteure angesichts solch gezielter Bedrohungen führen müssen.

Dieser Vorfall beleuchtet eine gravierende systemische Schwachstelle: die Abhängigkeit von Drittanbietern. Obwohl die Hardware-Wallets selbst unangetastet blieben und die inhärente Sicherheit der Chips zu keinem Zeitpunkt in Frage stand, stellt die Kommunikations- und Lieferkette nun ein kritisches schwaches Glied dar. Für Trezor ist dies bereits der dritte Sicherheitsvorfall innerhalb eines Monats, nachdem es zuvor zu Datenlecks beim Logistikpartner ShipMonk gekommen war. Diese Ereignisse unterstreichen, dass die Sicherheit von Vermögenswerten nicht mehr nur von der Robustheit privater Schlüssel abhängt, sondern auch von der digitalen Hygiene externer Partner, denen Unternehmen ihre Kommunikationsinfrastrukturen anvertrauen.